Janine Quaas
Heilpraktikerin

Was ist Trauma eigentlich?

Was ist Trauma?
Trauma ist nicht im Ereignis, sondern in Deinem Nervensystem. Es ist eine Situation, die Dein Nervensystem so überfordert, dass es mit Übererregung oder Erstarrung reagiert. Dies sind unwillkürliche Reaktionen die von unserem Hirnstamm gesteuert werden und willentlich nicht beeinflussbar sind.
Es gibt zwei Arten von Trauma: Schocktrauma und Entwicklungstrauma.
Beim Schocktrauma ist die Ursache ein Ereignis, wie ein Unfall, ein Verlust, eine Naturkatastrophe oder ähnliches. Das Nervensystem ist akut überfordert und reagiert mit dem Notfallmodus. Zuerst gehen wir in die Übererregung mit Kampf und Flucht. Falls diese Optionen nicht möglich sind tritt die Erstarrung ein – es ist ein Totstellreflex. Die Wahrnehmung verändert sich und wir sind stark verlangsamt. Bei einem Schocktrauma tritt eine Fragmentierung auf, d.h. die Erinnerungen werden als unzusammenhängende Bruchstücke gespeichert. Dies sind Bilder, Geräusche, Bewegungen, Gefühle, usw.
Ein Entwicklungstrauma liegt vor, wenn sich viele kleine Ereignisse über einen längeren Zeitraum ansammeln. Dies geschieht in der Kindheit. Die Bezugsperson(en) sind nicht so sensibel auf das Kind eingestimmt, dass dieses Sicherheit erlebt. Viele derartige Mißeinstimmungen reichen schon, um ein Entwicklungstrauma hervorzurufen. Kommen dann noch verbale, emotionale oder physische Misshandlung hinzu, wird das Trauma in der Regel umso schwerer. Entwicklungstrauma ist eine regelrechte Epidemie in unserer Zeit. Dazu beigetragen hat in Deutschland auch die Erziehung nach den Glaubenssätzen, es sei richtig ein Kind schreien zu lassen und Säuglinge würden es ausnützen, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Diese Annahmen halten sich teilweise bis heute, obwohl sich gezeigt hat, dass es dem Kind eindeutig schadet.
Entwicklungstrauma führt zu einem verkleinerten Toleranzfenster. Das Toleranzfenster oder auch Window of Tolerance wurde von Dr. Daniel Siegel beschrieben. Es bezeichnet den Bereich in dem wir gut funktionieren, in dem unser Nervensystem schwingungsfähig ist und sich selbst regulieren kann. Jenseits des Toleranzfensters haben wir die Übererregung  - Kampf und Flucht – oder die Untererregung – Erstarrung. Je kleiner das Toleranzfenster, desto schneller geraten wir in diese Zustände. Das heißt auch, dass Menschen mit einem Entwicklungstrauma anfälliger sind, ein Schocktrauma zu entwickeln, da sie schneller in der oben beschriebenen Über- oder Untererregung landen. Umgekehrt passiert es, wenn das Toleranzfenster sich durch Therapie vergrößert – Neurofeedback ist hierzu beispielsweise sehr gut geeignet. In dem Fall können bestehende Schocktraumata wie von alleine verschwinden, da sie nun im Bereich des Toleranzfensters liegen und das Nervensystem nun die Kapazität hat sich selbst zu heilen.