Janine Quaas
Heilpraktikerin

Trauma und Grenzen

Jedes Trauma verletzt die persönlichen Grenzen. Aber was sind die Folgen?
Du merkst, dass etwas für Dich nicht passt, sagst aber nichts. Danach verfolgt Dich ein unangenehmes Gefühl. Selbstvorwürfe: Warum habe ich nichts gesagt? Warum konnte ich (wieder) nicht für mich und meine Belange eintreten? Manchmal wird die Schuld auch auf den anderen geschoben: Er/Sie hätte doch merken müssen, dass mir das nicht passt…. Oft wird dann versucht die Situationen in Zukunft zu vermeiden oder man zieht sich zurück.
Oder
Du versuchst alles zu kontrollieren: Ich brauche, dass Du Dich so und so verhältst. Das muss genau so gemacht werden. Ich mag es nicht, wenn Du ….
Folge ist dann oft, dass das Umfeld nicht mehr mag und sich zurückzieht. Das ist die Tragik, denn dann folgt die Erfahrung, wenn ich so bin wie ich bin, bin ich alleine.
Hier ist das empfundene Dilemma: entweder ich trete für meine Grenzen ein und mache mich unbeliebt oder ich lasse alles mit mir machen und fühle mich schlecht.


Wo kommt das her?
Wurden die Grenzen in der Kindheit verletzt, sind das die Folgen. Damals konnte ich mich nicht wehren. Ich fühle mich immer noch wie damals. Um es klarer zu machen was Grenzverletzungen sind hier einige Beispiele: nicht natürlich ablaufende Geburten, medizinische Eingriffe, Eltern, die selbst Defizite mit Grenzen haben, Übergriffigkeit und  jede Form von Mißbrauch (emotional, verbal, ökonomisch, physisch, sexuell).

Der Ausweg
Heilung hat viel damit zu tun, dass man flexibler reagieren kann. Es ist eine Illusion, dass alle Grenzen immer geachtet werden (müssen). Das ist nicht die Realität. Die Frage ist, wie ich damit umgehe. Ich kann es kommunizieren, wenn mir etwas wichtig ist. Ich kann Nein sagen und für mich eintreten, ohne Schuldgefühle. Wenn ich meine, was ich sage und die Ausstrahlung stimmig ist, habe ich deutlich bessere Chancen, dass meine Grenzen respektiert werden. Grenzen können verhandelt werden. Wenn ich Grenzen setzte, betrifft das auch mein Umfeld und deren Grenzen. Der Eine möchte das Fenster offen haben, dem anderen zieht es und er möchte es schließen. Wer hat mehr Anrecht? Hier gibt es viel Konfliktpotenzial.
Allgemein kann man sagen, je größer mein Toleranzfenster ist oder wird, desto toleranter und damit auch in gewisser Weise unkomplizierter kann ich mich verhalten. Ich kann für mich eintreten und doch auch andere Wünsche respektieren und auch tolerieren ohne das Gefühl zu haben, wieder versagt zu haben und alles mit mir machen zu lassen. Ich beziehe auch nicht alles auf mich. Weder ich bin falsch noch die anderen. Dennoch kann ich manches bei anderen lassen ohne es mir anzuziehen. Wenn ein Autofahrer drängelt, heißt das nicht automatisch, ich fahre schlecht oder zu langsam. Vielleicht hat er einfach eine wichtigen Termin oder ist genervt. Das hat dann rein gar nichts mit mir zu tun!
Ein größeres Toleranzfenster heißt, ich habe weniger unangenehme Gefühle – ich fühle mich häufiger neutral und ausgeglichen, was angenehm ist. Ich bin im Wohlfühlbereich. Das ist Resilienz.