Janine Quaas
Heilpraktikerin

Trauma und Gedächtnis

In diesem Beitrag möchte ich erklären wie man sich an traumatische Geschehnisse erinnert und wie sich diese Form von unserem „normalen“ Gedächtnis unterscheidet.
Unser normales Gedächtnis, auch semantisches oder explizites Gedächtnis genannt, speichert Erinnerungen als Geschichten ab. Diese Geschichten haben ein Anfang und ein Ende und unterliegen einer gewissen Ordnung. Wir könne darauf zugreifen und jedes Mal wenn wir uns erinnern, verändert sich unsere Erinnerung damit auch ein wenig.
Im Falle eines Traumas werden unsere Erinnerungen daran fragmentiert gespeichert. Man hat vielleicht nur ein Bild, ein Geräusch, einen Geruch oder auch nur ein spezifisches Gefühl das unverändert immer wieder in unser Bewusstsein drängt. Diese Erinnerungen sind im impliziten Gedächtnis gespeichert und haben eine hohe Ladung. Damit ist der Erregungslevel gemeint der mit der Erinnerung einhergeht und diese sehr unangenehm werden lässt. Im impliziten Gedächtnis sind auch Bewegungsabläufe wie Radfahren oder Laufen gespeichert. Vor unserem 2-3 Lebensjahr ist das die einzige Form von Erinnerung die wir haben. Wenn wir uns implizit erinnern, merken wir in der Regel nicht, dass wir uns erinnern. Gefühlsflashbacks treten in Situationen auf, die uns an ein zurückliegendes Ereignis erinnern in dem wir emotional gestresst waren. Normalerweise merken wir nicht, dass es sich dabei um eine Erinnerung handelt und denken, die empfundenen Gefühle werden durch die aktuelle Situation erzeugt. Dann reagieren wir im Hier und Jetzt darauf, als wenn es damals wäre, was meistens nicht sonderlich hilfreich ist. Manchmal treten dann Schutzanteile in uns auf die sich stark zur Wehr setzten und die Regie übernehmen. Dann sind wir in der Reaktion nicht mehr flexibel und spulen ein Verhalten ab, dass wir in der Vergangenheit gelernt haben. Danach, wenn die Erregung wieder abflaut, tritt häufig Scham auf, für unser Verhalten und vielleicht ein Gedanke wie „Jetzt hab ich genau so geklungen, wie meine Mutter/mein Vater!“. Oder wir gehen in den Rückzug und treten nicht mehr für uns ein, was dann wiederum oft einen inneren Kritiker hervorruft, der uns beschimpft.
Ein wichtiger Schritt ist, zu beobachten was in uns vorgeht und die Empfindungen wahrzunehmen ohne uns zu sehr hineinziehen zu lassen. Das ermöglicht dann auch eine gewisse Freiheit, unsere Reaktion bewusst zu wählen und besonnen zu agieren, was uns und unserem Umfeld zu Gute kommt.